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Seebad Wismar-Wendorf und die Seute Deern

Whow, war das ein schöner Sonntag! Ich war mal wieder in Wismar unterwegs, meiner Heimatstadt, die auch nach vierzig Jahren mein Herz festhält.

Jo, ich bin Rostockerin, ich lebe hier, ich arbeite hier, hier ist mein Sohn zur Welt gekommen. Doch ganz tief im Herzen bin ich Wismaranerin geblieben. Die Faszination dieser altehrwürdigen Hansestadt liegt in ihren kleinen Gassen in der Altstadt, in dem Kopfsteinpflasterflair, dem überschaubaren Hafen und natürlich dem Wismarer Yachtclub im Seebad Wendorf.

Dort habe ich die glücklichsten Kindheitserinnerungen her, die ich wie einen Schatz hüte und von der nicht eine einzige verloren gehen sollte. Hier kam ich Hand in Hand mit meinem Vater her, Wochenende für Wochenende und sorgte mit meinen kleinen Händen dafür, dass das selbst gebaute Motorboot meines Vaters, die 'Jana' von Muscheln und Seepocken befreit wurde. Als ich dann schreiben konnte, oblag mir die ehrenvolle Aufgabe, den Heimathafen und den Schiffsnamen am Heck der 'Jana' aufzupinseln. Diese Aufgabe übernahm ich voller Stolz und pinselte mit Hilfe einer Schablone akribisch, so dass kein Pinselstrich irgendwo fehlte oder über die Schablone ragte.

Und genau in diesem Hafen lag mein Traumschiff. Eine wunderschöne Segelyacht, mit bunten Figuren am Bug, die den Duft von weiter Ferne versprühte und das träumen nach fernen Ländern ermöglichte. Aufgewachsen in der DDR, war die Hobbyseefahrt stark eingeschränkt, so dass nur dieser Traum zugelassen werden konnte, vielleicht zur Insel 'Santa Maria', von der Roland Kaiser so überzeugend trällerte. 2017 habe ich bereits einen Blogbeitrag über die Hansesail verfasst, in dem auch die 'Seute Deern' eine Rolle spielte.

Zurück zu meinem Sonntag. Ich staunte über den Yachtclub, den ich etwas anders in Erinnerung hatte und fand im Tumult der aufgebockten Schiffe im Winterlager wenig Vertrautes. Wehmütig stellte ich fest, dass der alte Holzsteg einem modernen schwimmenden Konstrukt weichen musste, dass wohl außer Funktionalität und Sicherheit nichts weiter zu bieten hat. Keine knarrenden, dunklen Bohlen, die zeitweise den Blick auf das darunterliegende Wasser offerieren und trotzdem einen festen Stand garantieren, nur der Blick auf das gegenüberliegende Ufer, auf schwankendem Boden.

Die alten Hütten, in der die Sportler ihre Schätze verstauen, die sind noch da! Etwas Beständigkeit, in einer viel zu hektischen Zeit. Meine Augen und mein Herz freuen sich über diese Zeitreise und ich hänge noch meinen Erinnerungen nach, da kommt aus einem Hüttchen ein sportlicher, älterer Herr. "Na, was macht Ihr denn hier?"  seine Augen funkeln interessiert. "Motive suchen und auf dem Pfad der Kindheit wandeln..." Der Herr horcht auf und ich führe weiter fort "Ich war früher hier sehr oft mit meinem Vater das Boot schleifen". Mein Gegenüber wird immer offener und fragt gezielt nach: "Wie hieß denn das Boot?" - "Jana!" erwiderte ich voller Stolz und was danach passierte erschien mir wie aus einem Traum. "Kenn ich..." antwortete der ältere Herr und ich darauf: "Dann wohl auch meinen Vater Herbert!" - "Na klar!" reagierte er ruhig und sein ganzes Gesicht lächelte. Es war so etwas Warmes, Vertrautes in seinem Gesicht und in diesem Gespräch, ich fühlte mich nochmal wie ein kleines Mädchen, denn an diese fröhlichen Augen konnte ich mich erinnern ...

Die alten Hütten waren zum Glück noch da! - Foto Jana Bath 2020


Ich berichtete von meinem Lieblingsschiff, der 'Seuten Deern' (Süßes Mädchen) und wie ich mich als kleines Mädchen danach verzehrte. Und er sagte fast wie nebenbei: 'Das ist Meins gewesen!" Ich war sprachlos und genoss dieses Gefühl zu wissen, dass mein 2015 verstorbener Vater von oben mit Sicherheit zusah und diesem Gespräch lauschte. Meine Tränen konnte ich nur mit größter Mühe verbergen.

Vor mir stand ein Freund meines Vater, Ulli Nothnagel, der Erbauer der 'Seuten Deern' und der neue Eigner eines selbst entworfenen Hausboots  'Endlich Ruhe' über den die Ostsee Zeitung am 13.5.2015 ausführlich berichtete.

Ein Sonntag hätte schöner nicht sein können. Und meine Frage, die ich mir in der heutigen Zeit so oft stelle: "Was bleibt?" konnte ich zumindest für diesen Tag positiv beantworten. "Alte Häuschen und Ulli Nothnagel" und ein Haufen Erinnerungen mehr, die mir meine Mom berichtete, als ich von dieser Begegnung sprach.

Schafft euch Erinnerungen, wo immer es nur geht, sperrt sie nicht ein, lasst sie leben, erzählt davon, wann immer euch danach ist. Denn: "Die Erinnerung ist das einzige Paradies, aus dem wir nicht vertrieben werden können." Jean Paul (1763 - 1825), eigentlich Johann Paul Friedrich Richter, deutscher Dichter, Publizist und Pädagoge

Es folgen noch ein paar Bilder vom Wendorfer Yachtclub.




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